BAHNTOUREN
Klosterstadt-Express
Die Grenzlage zwischen Württemberg und Baden sorgte im 19. Jahrhundert dafür, dass Maulbronn - die Stadt mit dem gut erhaltenen ehemaligen Zisterzienserkloster - ins verkehrsmäßige Abseits geriet. Statt dessen wurde in der Nähe der damals kleine Ort Mühlacker zum Eisenbahnknotenpunkt zwischen Bruchsal, Karlsruhe und Stuttgart.
Als Hermann Hesse 1891 Schüler im evangelischen Klosterseminar wurde, musste er vom entlegenen Bahnhof Maulbronn-West noch drei Kilometer zu Fuß gehen. Dies war aber wohl kaum der Grund, warum er nach kurzer Zeit dieser "Pfarrerschmiede" entfloh.
Erst 1914 bekam Maulbronn einen Stadtbahnhof, dessen Architektur an das Kloster erinnern soll. Diesen hielt die Bundesbahn bereits 1973 für überflüssig. Und 1991 wurde auch der Schienennahverkehr zwischen Bretten und Mühlacker über Maulbronn-West eingestellt.
Dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) ist es zu verdanken, dass heute um Maulbronn herum wieder Züge fahren. Als 1997 das 850. Jubiläum des Klosters anstand, organisierte der Verein unter dem Motto "Klosterstadt-Express" Anschlussfahrten nach Maulbronn.
Seit 1999 gibt es wieder die Verbindung Bretten-Mühlacker über Maulbronn-West als Stadtbahnlinie der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG). Heute können Besucher in ihrer Freizeit die Klosterstadt über Anschlüsse von Bruchsal, Heidelberg, Karlsruhe, Bad Wildbad, Ludwigsburg oder Stuttgart aus erreichen.
Und wenn es Hermann Hesse noch gefallen würde, könnte er von Tübingen her seit der Saison 2000 - von Ende Mai bis Mitte Oktober - an Sonn- und Feiertagen ohne Warten und Umsteigen nach Maulbronn gelangen. Der Heckenhauersche Buchhändler-Lehrling könnte dabei gleichzeitig seine Geburtsstadt Calw, die ihm ein Museum gewidmet hat, streifen. Auch dort ist der Bahnhof inzwischen ins Zentrum der Stadt gerückt.
Der Klosterstadt-Express verkehrt so durchgehend über die Kulturbahn (KBS 774). Weitere Informationen finden Sie hier.
